Weltberühmtes Gemälde aus den Jahren 1494 bis 1498: Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci vor der Restaurierung
 
 
 
 
 
 
Letztes Abendmahl (gemalt von Leonardo da Vinci)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

Dan Browns Thriller "Sakrileg" (Originaltitel: The Da Vinci Code) verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit rund 20 Millionen Mal weltweit. Allein in den USA wurden sechs Millionen Exemplare des Buches verkauft. Kein Wunder, mischt es doch perfekt Fakten und Fiktion und präsentiert eine ungeheuerliche These in spannender Art und Weise.

Der Amerikaner nimmt den Leser mit auf eine geheimnisvolle Reise durch Europa. Der Symbol-Forscher Professor Robert Langdon hält sich zu einer Konferenz in Paris auf, als der Direktor des Louvre vor dem Gemälde der Mona Lisa ermordet aufgefunden wird. Langdon erkennt, dass der Tote auf versteckte Hinweise im Werk Leonardo da Vincis aufmerksam machen wollte. Der Professor beginnt mit eigenen Nachforschungen und wird dabei von Sophie Neveu, einer Kryptologin der Pariser Polizei unterstützt.

Bei ihren Recherchen stoßen die beiden Hauptprotagonisten tatsächlich auf geheime Symbole in den Werken Leonardo da Vincis (1452-1519), die daraufhin deuten, dass Jesus Christus und Maria Magdalena eine gemeinsame Tochter hatten, deren Nachkommen heute in Frankreich leben. Erschwert wird die Suche der Wissenschaftler durch das Eingreifen von Mitgliedern der mysteriösen Organisation Opus Dei, die Roberts und Sophies Erkenntnisse unter allen Umständen unter Verschluss halten möchten.

Leonardo Da Vinci soll Großmeister der Geheimloge Prieuré de Sion gewesen sein und deshalb soll er das Geheimnis gekannt haben. Er soll vor allem in seinem berühmten Gemälde "Das letzte Abendmahl" zahlreiche Zeichen verborgen haben, die darauf hindeuten, dass Maria Magdalena die Frau von Jesus war und sie seine Lehre in die Welt tragen sollte und nicht Petrus. Auch einen Hinweis auf den Gral soll das Bild enthalten. Dieser soll nicht etwa ein Gefäß sein, sondern Maria Magdalena selbst, die ein Kind von Christus erwartete.

Leonardo wurde 1452 als unehelicher Sohn eines Notars und einer Magd in Vinci geboren und wuchs beim Vater in Florenz auf. Der erkannte sein großes Talent und schickte ihn als Schüler zu dem Florentiner Künstler Andrea del Verocchio, der auch Botticelli und Perugino ausbildete.

Da Vinci versuchte unermüdlich, die Gesetze der Natur zu ergründen. Ihre fantastischen und ungewöhnlichen Erscheinungen zogen ihn am meisten an. Merkwürdige Formen, seltene Pflanzen und Tiere, ungewohnte Minen, Gesten, Gesichter und Figuren, ob schön oder grotesk, das waren die Dinge, über die er gerne grübelte und die er in tausenden Zeichnungen festhielt.

Jedes neue künstlerische Problem wurde für ihn sogleich auch ein wissenschaftliches Problem. Die Gesetze von Licht und Schatten, die Gesetze der Perspektive und der Optik, die Gesetze der menschlichen und tierischen Anatomie, die Struktur von Pflanzen und die Eigenschaften des Wassers begeisterten Leonardo.

Maler, Anatom, Architekt und Ingenieur
Leonardo war schon bald völlig von Projekten in Mechanik, Hydraulik und Bauwesen ausgefüllt. Experimentelle Studien und Beobachtungen in jedem Zweig der theoretischen oder angewandten Wissenschaft füllten ihn aus, in vielen Dingen war er sogar Pionier. Er war voller neuer Ideen über die Gesetze und Anwendungen mechanischer Kräfte.

Aber seine Studien brachten ihm keinen finanziellen Gewinn und lenkten ihn von der Malerei ab. Trotz seiner Fähigkeiten und seines Talents blieb er arm. Deshalb und nicht zuletzt wegen der intellektuellen Atmosphäre des Medici-Zirkels mit ihrem gemischten Kult aus klassischer Renaissance und Christentum, der ihm unsympathisch war, suchte er nach einer Aufgabe außerhalb von Florenz. Hinzu kam, dass der Dominikaner-Mönch Girolamo Savonarola in Florenz 1484 das nahende Endgericht verkündete und Jesus zum "König von Florenz" krönte.

Savonarolas Diktatur des orthodoxen Christentums war für einen aufgeklärten, toleranten Geist wie Leonardo ein Graus. In jedem Fall war er sofort bereit, an den Hof von Ludovico Sforza in Mailand zu wechseln, als ihm die Chance angeboten wurde.

In Mailand schuf Leonardo dann auch eines seiner größten Werke, für viele Kunsthistoriker und Künstler sogar eines der größten Kunstwerke der Menschheit. Im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie malte Da Vinci in zwei Jahren "Das letzte Abendmahl". Dargestellt ist die Szene, in der Jesus seinen Jüngern beim letzten gemeinsamen Abendmahl verkündet, dass ihn schon bald einer von ihnen verraten wird.

Im Mittelpunkt des Bildes sitzt Jesus. Um seine Position zu betonen, hat Da Vinci den Fluchtpunkt des Bildes so konstruiert, dass alle Linien auf den Kopf des Gottessohnes zulaufen. Um ihn herum sitzen an einem langen Tisch die zwölf Jünger. Sie alle sitzen im Vordergrund eines riesigen Saals, der mit dunklen Wandbehängen ausgekleidet ist. Im Hintergrund geben drei Fensteröffnungen den Blick auf eine weite Landschaft frei.

Einzig Jesus und sein Lieblingsjünger Johannes zu seiner Rechten verharren ruhig. Die Jünger sind aufgewühlt. Ihre Hände, Körperhaltungen und Bewegungen verraten Unruhe, Ärger, Wut, Trauer und Ratlosigkeit über diesen ungeheuerlichen Verrat an Christus. Nur der Verräter Judas hat sein Gesicht vom Betrachter abgewandt und seine Gesichtszüge werden vom dunklen Schatten verschluckt. Leonardo ist einer der wenigen Maler, die Judas auf die gleiche Seite des Tisches positionieren, wie Jesus.

Wollte Leonardo damit klarstellen, dass Jesus seinem Jünger, der ihn verriet, vergibt und ihn trotzdem liebt?
Das Bild wurde mit Temperafarben, einer Emulsion aus wässrigen und nichtwässrigen Bestandteilen, direkt auf die Wand gemalt. Die Tempera-Trägersubstanz hielt nicht lange auf dem Gipsuntergrund fest und dieser auch nicht auf der Wand. Als der Saal zu Zeiten Napoleons auch noch als Pferdestall genutzt wurde, schien der Untergang des Bildes besiegelt.

Im 18. Jahrhundert wurden erste Restaurationsversuche unternommen. Sie alle gründeten auf der falschen Annahme, dass das Werk in Öl ausgeführt worden sei. Demgemäß wurde es mit Öl und Lacken getränkt, in der Hoffnung, die Farben wiederzubeleben.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnte das Bild endlich halbwegs restauriert und 1999 noch ein Mal verbessert aufbereitet werden. Und obwohl nur noch rund 70 Prozent des Bildes erhalten sind, scheint es seine Strahlkraft nicht verloren zu haben.

Dan Brown behauptet, dass der Jünger, vom Betrachter aus gesehen links von Jesus, nicht etwa der Apostel Johannes sei, sondern Maria Magdalena, mit der Jesus eine intime Beziehung gehabt habe, und die seine Botschaft in die Welt tragen sollte. Außerdem habe er mit ihr eine Tochter gehabt.

Schaut man sich Johannes genauer an, so stutzt man in der Tat. Die Person hat lange, rotblonde Haare und ein feminines Antlitz. Manche wollen den Bauch einer Schwangeren erkennen, andere sehen Brüste. Und auch wenn man sich Studien Leonardos zu den Händen von Johannes anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, es handele sich um Frauenhände.
Tatsächlich haben allerdings auch viele andere Maler Johannes androgyne Züge verliehen.

Im 15. und 16. Jahrhundert war dies durchaus ein gängiges Stilmittel, um die Zartheit und Jugend des jungen Apostels auszudrücken. Oder sollte es damals tatsächlich Konsens gewesen sein, dass Maria Magdalena an der Seite Jesu saß? Dann müsste es darüber auch schriftliche Abhandlungen aus jener Zeit geben. Diese existieren jedoch nicht und wären von der katholischen Kirche wohl auch verhindert worden.
Auch an der Kleidung will Dan Brown die Nähe zwischen der Person Johannes / Maria Magdalena und Jesus ausmachen und ihre Liebe zueinander erkennen. Während Jesus ein rotes Gewand mit blauem Umhang trägt, ist Johannes in ein blaues Gewand und einen roten Umhang gekleidet. Die Farben sind aber zarter als die von Jesus Bekleidung.

Tatsächlich leugnet niemand die enge Beziehung zwischen Johannes und Jesus und der Heiland selbst sagte: "Johannes ist der unter Euch, den ich liebe". Die zarten Farben dürften auch hier ein Hinweis auf die Zartheit und Jugend des Apostels Johannes sein und die komplementären Farben eher ein Hinweis auf die Nähe der beiden Männer.

Das angebliche "V", das die Körper und Arme der beiden bilden, sieht Dan Brown als Bestätigung. Es ist ein uraltes Zeichen für das Weibliche und die Gabe, Leben zu gebären. Zwar ist ein "V" deutlich erkennbar, aber nicht nur zwischen Jesus und Johannes, sondern auch zwischen Jesus und den Jüngern rechts von Christus. Und nicht nur hier. Es fällt auf das die Jünger zu jeweils drei Personen zusammengruppiert worden und auch zwischen den einzelnen Gruppen ist ein "V-Ausschnitt" erkennbar.

Andere sehen ein M oder ein W. All das dürfte eher zufällig sein und der Abgrenzung der verschiedenen Personengruppen dienen, als ein Zeichen zu sein. Das große "V" zwischen Jesus und Johannes dürfte Leonardo hauptsächlich konstruiert haben, um den Blick auf den Hintergrund freizuhalten. Und um nicht zu viel Distanz zwischen Johannes und Jesus entstehen zu lassen, hat Leonardo eben zu dem Trick mit der ähnlich wirkenden Kleidung gegriffen.

Das Fehlen eines Kelches auf dem Abendmahltisch deutet Brown als Hinweis darauf, dass mit dem heiligen Gral gar nicht ein Kelch gemeint sein, sondern Maria, die ein Kind von Jesus erwartete und damit sein Blut in sich trug. Dan Brown bezieht sein Wissen aus zwei Büchern, die von Wissenschaftlern längst eindeutig widerlegt wurden.

Warum Leonardo den Kelch weggelassen hat, darüber darf gerätselt werden. Entweder er war für ihn nicht wichtig oder aber ein auffälliger Kelch hätte den Bildaufbau gestört und wäre zu sehr in den Vordergrund gerückt und hätte damit die Bildkomposition verfälscht und von der wahren Aussage des Bildes abgelenkt.

Außerdem muss man bedenken, dass die Gralslegende erst im Mittelalter entstanden ist, also zu Zeiten Leonardos noch gar keine große Bedeutung hatte. Einziger Hinweis auf einen Gral ist die Stelle in der Bibel, in der Jesus den Jüngern einen Kelch mit Wein reicht und ein Gefäß in dem Josef von Arimathäa das Blut Christus bei der Kreuzigung auffängt. Es ist auch nicht klar, ob es sich tatsächlich um einen Kelch gehandelt hat oder um eine Schüssel, einen tiefen Teller oder einen Stein.

Sollte die Person neben Jesus tatsächlich Maria Magdalena sein, so wäre es viel wahrscheinlicher, dass Leonardo damit die auf die Bedeutung der Frau im Allgemeinen anspielt und ihr eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zubilligt. Dies ist aber sehr unwahrscheinlich.

Und noch eine Person gibt Rätsel auf: die zweite Person links neben Jesus ist Petrus. Ihn hat Leonardo aufgewühlt und erregt dargestellt. Sein Körper ist in Bewegung, er beugt sich zu Jesus und schiebt Johannes zur Seite, um zu erfahren, wer denn der Verräter sei. Brown deutet diese Bewegung allerdings als aggressive Geste gegen Johannes bzw. Maria Magdalena für die er nur wenig übrig gehabt haben soll, da Jesus sie ihm gegenüber bevorzugt haben soll.

In der anderen Hand hält Petrus ein Messer, was er laut Dan Brown nutzen will, um Maria Magdalena zu ermorden. Es wurde sogar behauptet, die Hand mit dem Messer sei nicht die Hand des Apostels, sondern die eines Dritten. Nach der letzten Restaurierung wurden jedoch einige falsche Farbschichten aus früheren Restaurierungen entfernt und nun ist klar, dass es sich tatsächlich um die Hand von Petrus handelt.

Das Messer ist eher ein Hinweis auf die Wut des Jüngers. Er lässt das Messer nicht fallen als Jesus seinen Vorwurf äußert, sondern will unbedingt wissen, wer der Verräter ist. Dabei ist er so wütend, dass er den Verrat gleich an Ort und Stelle verhindern oder rächen will. Das Messer betont noch den aufgewühlten Seelenzustand des Apostels.

Es gibt aber auch ein paar Wahrheiten, die Dan Brown in seinem Buch wiedergibt. In der zweiten Person von rechts, Thaddäus, hat sich Leonardo wohl tatsächlich verewigt und ihm sein Antlitz gegeben. Thaddäus dreht sich von Jesus weg, mit Sicherheit hat Leonardo dies absichtlich so gemalt. So konnte er verschlüsselt darstellen, was der vom katholischen Glauben hielt, ohne dabei den Widerspruch seiner Auftraggeber zu wecken.

Neuen Interpretationen zufolge soll das Bild ein Abbild des philosophischen Weltbilds Leonardos sein. Demnach sollen sich die vier Gruppen der Jünger den vier Temperamenten aus der Temperamentslehre des Hippokrates zuordnen lassen. Dies wären die Phlegmatiker (die Teilnahmslosen), die Melancholiker (die Traurigen), die Choleriker (die Jähzornigen) und die Sanguiniker (die Optimistisch-Lebhaften).

Die vier Wandbehänge an der rechten Seitenwand stellen die vier platonischen Kardinalstugenden Weisheit, Tapferkeit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit dar. Die vier Wandbehänge an der linken Seite sind den vier Gründen alles Seienden nach der Lehre des Aristoteles: Zweck, Wirkung Form und Stoff.

Wie auch immer man das Bild nun letztlich deuten mag, es wird wohl für immer unklar bleiben, was Leonardo da Vinci mit seinem Bild wirklich wollte. Klar ist, dass er versucht hat, ein perfektes Bild zu schaffen und ihm eine tiefere Bedeutung gab. Leonardo dürfte nichts dem Zufall überlassen haben und aus Schilderungen von Zeitgenossen geht hervor, dass er häufig vor dem Bild gegrübelt haben soll.
Leonardos Ansicht war: "Sehen ist gleich erkennen".

Da sich Leonardo auch intensiv mit Philosophie auseinandersetzte, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass er in dem Bild antike philosophische Lehren verarbeitete, die im krassen Gegensatz zur herrschenden katholischen Glaubenslehre standen. Dennoch dürfte es ihm hauptsächlich darum gegangen sein, Raum und Personen perfekt darzustellen, eine große emotionale Vielfalt in den Jüngern darzustellen und Körper, Hände und Gesichtsausdruck zu variieren. Mit Spekulationen dürfte sich Leonardo nicht beschäftigt haben, seine Bilder waren Ausdruck seiner Wissenschaft und seines Wissens.

Man mag Dan Browns Buch positiv oder negativ beurteilen und ihn für eine Spinner oder Aufklärer halten, das Buch hat eines geschafft: sehr viele Menschen haben sich mit Leonardo Da Vinci, seinem Leben und Werk intensiv auseinandergesetzt und das letzte Abendmahl ganz neu entdeckt. Das dürfte viel eher Leonardos Absicht gewesen sein, als geheime Zeichen und verstecke Hinweise. 


Und genau hier wäre ein ungeheuere - sogar kosmische Dimensionen erreichendes - Problem entstanden, wenn Jesus mit Maria Magdalena tatsächlich Nachkommen gezeugt hätte. Theologen wären jahrhundertelang darüber uneins gewesen, ob solche Kinder Anteil an Jesu Göttlichkeit gehabt hätten oder nicht. Und wie wäre es wiederum bei deren Kindern und Enkelkindern gewesen? Es hätte ein grosses theologisches Durcheinander gegeben, oder gar des Ende der christlichen Kirche bedeutet.

 

 
 
 
 
 
 
 

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